Traces [over time]

HELMUT SCHWEIZER – Traces [over time]

Anlässlich von Helmut Schweizers 80. Geburtstags im Mai 2026 widmet ihm die Galerie Pfab eine retrospektive Ausstellung. Sie greift zentrale Themen seines Werks auf: existenzielle Fragen, die sich aus wissenschaftlichen Erkenntnissen ergeben, sowie die Ambivalenz von Fortschritt – zwischen Bedrohung und Hoffnung.
Helmut Schweizer ist ein Künstler, dessen Werk stark von Naturwissenschaften und ihrer Geschichte geprägt ist. Im Zentrum seiner künstlerischen Auseinandersetzung stehen die Folgen wissenschaftlichen Fortschritts – insbesondere die atomare Bedrohung und der gesellschaftliche Umgang damit. Dabei arbeitet er weniger laut oder provokativ, sondern eher als präziser Beobachter und „Sammler“ von Wissen, das er über Jahrzehnte hinweg aufgebaut hat. Seine Kunst lässt sich daher treffend als wissenschaftsbezogen beschreiben.
Charakteristisch für Schweizers Arbeiten ist der Einsatz ungewöhnlicher Materialien: Häufig verwendet er leuchtende, chemisch reagierende Flüssigkeiten sowie andere vergängliche Stoffe. Prozesse wie Oxidation und Zersetzung werden bewusst sichtbar gemacht und dienen dazu, Zeit selbst als ästhetisches Phänomen darzustellen. Diese experimentellen Installationen kombiniert er mit komplexen Bild-, Farb- und Textcollagen. Darin verknüpft er Bezüge zu bedeutenden Wissenschaftlern des 20. Jahrhunderts mit Einflüssen aus Musik, Literatur und insbesondere der bildenden Kunst.
In den präsentierten Arbeiten – darunter Bilder und Skulpturen aus Glas – begegnen sich häufig Gegensätze: Schönes und Schreckliches, Zerstörung und Rettung. Gezeigt werden Werkgruppen, in denen kunsthistorische und sinnlich-erotische Themen miteinander verwoben sind, ebenso wie Arbeiten mit Referenzen auf Künstler, auf die sich Schweizer wiederholt bezieht, etwa Albrecht Dürer, Max Ernst oder Joseph Beuys.
Schweizers künstlerische Laufbahn begann mit dem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (1967–1973) sowie parallel Philosophie und Kunstgeschichte. Bereits 1968 gründete er die Künstlergruppe PUYK. Früh beeinflusst von Avantgarde-Strömungen aus Poesie, Jazz und Theater, entwickelte er in den folgenden Jahrzehnten ein eigenständiges Werk, das auch internationale Resonanz fand – unter anderem durch seine Teilnahme an der documenta IX, kuratiert von Jan Hoet.
Heute sind seine Arbeiten in zahlreichen bedeutenden Sammlungen vertreten, etwa im Kunstpalast Düsseldorf, im Museum Ludwig oder in der Staatsgalerie Stuttgart, dem Kupferstichkabinett Berlin, den Kunsthallen Bremen, Karlsruhe und Kiel, der Städtischen Galerie Wolfsburg oder im Museum für Gartenkunst Schloss Benrath in Düsseldorf.

WERKE

ANDREAS ZAGLER – Showroom

In ihrem Wesen, hinterfragt die Werkgruppe der Farbobjekte das Verhältnis und die
Unterscheidung eines Bildes gegenüber anderen Dingen – wo verläuft die Grenze zwischen Bild
und Abbild, zwischen Realität und Imitation. Die Bilder dieser Werkgruppe bestehen aus
mehreren übereinander geschichteten, teilweise pastos aufgetragenen, Gesten und Flächen aus
Farbe, welche nicht nur das Konkrete der Malerei, sondern auch das Gestische, das Szenische
eines Stilllebens und das Wesenhafte eines Porträts verbildlichen. Die Schichtungen des
Farbmaterials bilden dabei das physische Zeugnis seiner Entstehung und transformieren diese
selbst zum Motiv des Bildes.
In seinen meist großflächigen, oft monochromen, Bildern bindet Zagler die Zeit und die Handlung
des Hinterlassens von Spuren auf die materielle, konkrete Fläche des Bildträgers. Er hebt diese
dadurch aus der zeitlichen und räumlichen Ordnung des Schaffens, in jene des statischen
Moments eines Bildes – die wiederkehrenden Aktionen und die Zeit werden zum zentralen
Bildmotiv – das Subjektive wird durch die künstlerische Handlung in eine objektive, visuell
tastbare Form überführt.
Die monochrome Reduktion lenkt den Blick weg von einer rein ästhetischen Komposition hin zu
der reinen Materialität und deren Veränderung. Jeder von Zagler vollzogene Eingriff hinterlässt
eine Markierung, Spur, die als bleibendes Zeugnis einer vergangenen Handlung fungiert. Diese
Einschreibungen verwandeln die Bildoberfläche in ein Archiv gelebter Zeit und vergangener
Handlungen. Zagler macht sichtbar, dass Existenz untrennbar mit dem Wirken auf Materie
verbunden ist.
Für ihn versinnbildlicht dieser Vorgang die menschliche Existenz: Das kontinuierliche Hinterlassen
von Spuren in einem zeitlich begrenzten Leben. Es rückt die Frage nach dem Verbleib und der
Sichtbarkeit des Einzelnen in den Mittelpunkt der Betrachtung.

Laura Etz

WERKE