In purpose and facticity zeigt Matthias Wollgast Werke aus vier eng miteinander verwobenen Werkreihen. Sie eint die Auseinandersetzung mit kulturellem Gedächtnis, medialer Wahrnehmung und der Frage, wie Geschichte, Zeitgeschehen und Information heute entstehen.
Ausgehend von der täglichen Berichterstattung internationaler Tageszeitungen untersucht er, ob wir Zeugen von „History in the Making“ sind oder lediglich flüchtige Momentaufnahmen konsumieren. Sind Nachrichten Ausdruck von Wahrheitsfindung – oder Teil moderner Mythenbildung? Und wo verläuft die Grenze zwischen menschlicher Interpretation und algorithmischer Konstruktion?
Über mehrere Monate hinweg hat Matthias Wollgast Überschriften und Bildmotive aus der Tagespresse gesammelt und in Malerei übersetzt. Aneignung und Rekontextualisierung stehen dabei im Zentrum.
Die Serie „KW“ versammelt unveränderte Schlagzeilen internationaler Zeitungen, geordnet nach Kalenderwochen. In den „Daily Vessels“ werden Motive der Tagespresse auf Vasen übertragen und damit zugleich ästhetisch überhöht und inhaltlich gebrochen – in Anlehnung an antike Gefäße als historische Zeugnisse des Alltags.
Mit „mythós syntheticos“ entstehen künstliche Mythen: von KI generierte, erfundene Vasenbilder ohne reale historische Referenz, die dennoch vertraute Formen und Bildsprachen zitieren. Die Werkreihe der „Arteriors“ schließlich zeigt vielschichtige Interieurs voller kunsthistorischer Anspielungen – imaginäre Räume als psychogrammartige Spiegel ihrer Bewohner*innen.
purpose and facticity fragt nach der Rolle von Kunst und Künstler*in in einer von Nachrichten geprägten Gegenwart. Zwischen Chronik, Kritik und Beobachtung entstehen subjektive Momentaufnahmen, die trotz bewusster Auswahl als originale Zeugnisse ihrer Zeit lesbar bleiben.